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        <title>Maria, Imsail, Sarah und die Goldene Regel</title>
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        <description>Diese Geschichte habe ich Rahmen meiner Unterrichtseinheit zur Goldene Regel geschrieben. Der Text steht unter CC-0: „Guck mal, was ich gefunden hab!“ „Ein Puzzleteil?“, fragt Ismail. „Ja, aber nicht irgendein Puzzle – das ist ein Teil einer echten Schatzsuche“, antwortet seine Freundin Maria. „Das habe ich oben in unserem Hauptquartier gefunden!“ Ismail und Maria wohnen in der gleichen Straße, wo auch Ismails Vater seinen Schlüsseldienst hat. Herr Aydın und sein Sohn Ismail sitzen abends oft auf dem Sofa und üben Schlösser zu öffnen, nicht mit dem Schlüssel, sondern mit einem Dietrich. Sein Papa hat Ismail zwar verboten außerhalb der eigenen Wohnung Schlösser zu knacken. Seitdem er aber seinen eigenen Dietrich hat, ist vor Maria und Ismail kein Dachboden der Straße mehr sicher. Und so sind die beiden auch zu ihrem Hauptquartier gekommen. Es ist der verlassene Dachboden von Haus Nummer 33. „Ich war oben im Hauptquartier“, sagt Maria, „da hab’ ich mich umgeschaut, um einen Platz für unser Geheimversteck zu finden.“ „Und dann?“, fragt Ismail. „Dann habe ich bei der Dachschräge unter den Dielenboden gegriffen und dann war da schon was!“ „Das Puzzleteil?!“, fragt Ismail. „Ja“, sagt Maria, „lies mal vor, du kannst das besser.“ Ismail, der ein Jahr älter als Maria ist, liest vor, was auf dem riesigen Puzzleteil steht: „Liebe Menschen aus der Zukunft. Ihr habt den ersten Teil des Rätsels gefunden. Löst es und ihr werdet den SCHATZ DES LEBENS FINDEN. Weiter geht es über Haus Nr. 45 – Eure Sarah Rosenrauch“ „Wow, ein echter Schatz?!“, sagt Maria. „Ja voll krass, das sieht aus, als wäre es hundert Jahre alt!“ „Wir müssen direkt zur 45. Da kommt man easy auf den Dachboden, das weiß ich“, sagt Ismail. Die beiden rennen die Treppe runter, die Straße entlang, durch die offene Türe von Nr. 45 und tatsächlich - das Schloss der Dachbodentür lässt sich im Hand­um­drehen öffnen. Sie gucken sich um, doch der Dachboden ist leer. „So ein Mist“, sagt Ismail. „Ne warte mal“, meint Maria, „im Hauptquartier lag das ja auch nicht einfach rum, sonst würde es ja jede finden.“ Sie geht bis zur Dachschräge und greift unter den Dielenboden. Aber nichts, sie versucht es bei der nächsten Stelle, aber sie findet nichts außer Stroh und Steinen. „Ich hab’s!“, ruft Maria beim dritten Versuch. Tatsächlich, es ist noch ein Puzzleteil: „Ihr seid gut! Und wenn ihr keine Menschen aus der Zukunft seid, sondern z. B. Hein und Erna, dürft ihr den Schatz trotzdem suchen. Auch wenn ihr mich immer ärgert, habt ihr den Schatz vielleicht am nötigsten. Weiter geht es unter Haus Nr. 77.“ „Häh, wer sind denn jetzt Hein und Erna?“, fragt Maria. „Egal, wir müssen zur 77, schnell“. Sie rennen los und bleiben abrupt vor dem Haus stehen. „Ähhh, Maria. Das Haus sieht gar nicht so aus, als ob da Hein, Erna und Sarah schon drinnen gespielt haben. Das ist ganz neu.“ „Oh nein, du meinst sie haben das Haus abgerissen, mit dem Dachboden und unserem Puzzleteil?“, fragt Maria. „Mhm, lass uns nochmal auf das Puzzleteil gucken. Was ist das überhaupt für ein Schatz, von dem sie auch will, dass ihre Feinde den bekommen?“ „Keine Ahnung“, antwortet Maria, „aber da steht doch unter Haus Nr. 77. Vielleicht ist es gar nicht auf dem Dachboden, sondern im Keller.“ Und Ismail fällt ihr ins Wort: „Und die Keller sind noch voll alt, weil die die neuen Häuser auf die alten Keller gebaut haben.“ Der Keller ist offen. Er ist feucht und dunkel und vor allem eines: alt, das riecht man. Sie tasten sich im Schein der Handy-Taschenlampe von Raum zu Raum, doch nichts ist zu finden. „Auutsch“, schreit Maria. Sie ist vor lauter Dunkelheit gegen eine Wand gelaufen. „Warte mal, das klang doch voll hohl“, sagt Ismail. „Danke für das Kompliment“, sagt Maria. „Nicht dein Kopf, die Wand!“, antwortet Ismail. Maria dreht sich um und klopft gegen die Wand. „Tatsächlich, da ist was.“ Sie kratzt an der Wand und findet einen Spalt mit ihren Fingernägeln. Eine Metallschachtel kommt ihr entgegen. In ihr liegt das dritte Puzzle: „Der Schatz ist ein Geheimnis unserer Familie. Meine Bubbie verrät ihn mir jedes Jahr aufs Neue, wenn wir die 4. Kerze anzünden. Und ich werde ihn mit euch teilen. Weiter geht es weit über Nr. 1.“ „Das ist ja gar kein Schatz mit Geld und Gold und so. Das ist ja nur ein Geheimnis“, sagt Maria. „Ja, aber vielleicht doch, oder zumindest muss es ein sehr wertvolles Geheimnis sein. Jetzt haben wir das Rätsel schon fast gelöst, komm!“ Sie rennen zu Haus Nr. 1. Die Tür ist zu, sie klingeln an der Haustüre. „Ja bitte?“, erklingt es. „Die Post hier, bitte einmal aufmachen“, sagt Ismail mit verstellter Stimme. Die Tür summt, sie stoßen sie auf, rennen die Treppe hoch und knacken das Schloss der Dachbodentür. Da stehen sie nun kurz vor des Rätsels Lösung. Maria guckt unter den Dielen. Ismail klopft die Wände ab, aber nichts. Beide lesen nochmal das Puzzle: „… weit über Nr. 1.“ Sie gucken sich an, gucken nach oben und ehe eine was sagen kann, klettern sie zur Dachluke hinaus. Da stehen sie auf dem Dach mit Blick über Berlin. Den Fernsehturm, den Berliner Dom, die alte Synagoge in der Oranienburger – alles können sie sehen. Ein bisschen schwindelig wird ihnen da oben, Ismail hält sich lieber am Schornstein fest. „Und wo sollen wir hier oben suchen?“, fragt Maria. Ismail tastet sich am Schornstein längs. Seine Augen werden auf einmal ganz groß. „Waaas?“, fragt Maria. „Ich hab’s“, schreit Ismail. Wie im Keller ist auch beim Schornstein im Gemäuer eine Kiste eingelassen. Er zieht sie raus. Maria öffnet die Kiste und tatsächlich, es ist das letzte Puzzleteil: „Herzlichen Glückwunsch. Ihr seid durch Höhen und Tiefen, um das Rätsel zu lösen. Auf der Rückseite des Puzzles könnt ihr den Schatz des Lebens lesen. Wir nennen ihn die Goldene Regel. Mit ihr könnt ihr das Leben für die ganze Welt wertvoll machen.“ „Das hat eine Rückseite?,“ fragt Ismail. Sie fügen die Puzzleteile zusammen „Hier, man kann den Staub wegwischen, dann sieht man was.“ Goldene Buchstaben schimmern durch den Schmutz, dort steht: „Tue nicht anderen, was du nicht willst, dass sie dir tun.“ „Das ist doch kein Schatz,“ sagt Maria, „das ist ja quasi unsere Schulregel.“ „Eure Schulregel?“, fragt Ismail. „Ja, das haben wir sogar als Lied.“ Maria singt mit schräger Stimme: „Was du nicht willst, was man dir tu, das füg auch keinem andren zu.“ „Ah, mach ma’ lieber auf dem Handy an“, sagt Ismail. „Okay“, sagt Maria.</description>
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